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Artenschutz und Tonabbau

Der Abbau von keramischen Rohstoffen und Industriemineralen ist trotz des vorübergehenden Eingriffs in Landschaft und Natur letztendlich die Ursache für die Entstehung einer Vielzahl von natürlichen Lebensgemeinschaften, von Biotopen  unterschiedlichster Art. Rekultivierung und Renaturierung von Flächen nach Bergbau lassen Feuchtgebiete, Teiche, Laubmischwälder, naturnahe Wasserläufe, Sukzessionsflächen und vieles mehr entstehen. Sie werden auf Dauer zum Ausgleich für die bei der Rohstoffgewinnung zeitweise entstehenden Beeinträchtigungen des Naturhaushaltes und der Landschaft angelegt.

Meist unerwähnt bleiben jedoch solche Biotope, die während der bergbaulichen Tätigkeit entstehen und trotz ihrer begrenzten Lebensdauer eine bedeutende Funktion im natürlichen Lebenskreislauf besitzen. Es ist die Vielzahl dieser temporären Biotope, die für das Überleben eines Teils von Fauna wie Flora verantwortlich ist.

Von höchster Bedeutung ist das Wasserangebot aus Rinnsalen, Gräben, Tümpeln, Pumpensümpfen oder Absetzteichen, die durch die Entwässerung der Tagebaue entstehen. Mit dem Abbaufortschritt entstehen diese Gewässer immer wieder neu und sind Grund für die Entwicklung temporärer Biotope einer speziellen Fauna und Flora.

Vorkommen des Rohrkolbens sind häufig, ebenso des Gemeinen Froschlöffels oder der Flatterbinse. Gelbbauchunke, Teichmolch und Frösche vermehren sich stark unter den optimalen Lebensbedingungen. Eine seltene Vogelart hat sich ausgerechnet Tontagebaue als Brutgebiet ausgesucht: der Regenpfeifer. Eine Mehrzahl von Libellenarten lebt in einem Tontagebau - bis zu 21 verschiedene Arten wurden gezählt, dazu 19 brütende Vogelarten, 11 Amphibienarten etc.. Auch die Vernetzungsfunktion der temporären Biotope ist bedeutsam: Sie stellen wichtige Brücken zwischen den Biotopen dar. Sie sind sozusagen „Trittsteine" und "Wanderwege" für Tiere und Pflanzen. Insgesamt dienen sie dem weiträumigen Artenaustausch.

So wurde beispielsweise in einem Kaolintagebau auf der Grenze Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen in enger Kooperation zwischen dem Abbauunternehmen, dem Landkreis und der Bezirksregierung das Naturschutzgebiet „Kaolingrube... " einvernehmlich ausgewiesen. Die Tagebaufläche ist zusätzlich als europäisches FFH-Schutzgebiet entsprechend „NATURA 2000“ gemeldet.

Unberührt von den Verboten (zum Naturschutz) bleiben vor allem Kaolinabbau und  Rekultivierung. Hier leben unter anderem:

  • Geflecktes Knabenkraut,
  • Schmalblättrige Wollgras,
  • Echtes Tausendgüldenkraut,
  • Aufsteigende Gelbsegge,
  • Gelbbauchunke,
  • Springfrosch,
  • Geburtshelferkröte,
  • Erdkröte,
  • Kanimmolch,
  • Feuersalamander und viele andere mehr.

 

Artenschutzprojekt „Auenamphibien"

Seit Beginn der 90er Jahre engagiert sich der Westerwälder Tonbergbau gemeinsam mit Kommunen und Behörden in diesem Artenschutzprojekt, auch bekannt als Schutzprojekt „Laubfrosch im Westerwald". Der sehr selten gewordene Baumfrosch zeigt in Rheinland-Pfalz einen katastrophalen Bestandsrückgang und kommt nur noch an wenigen Stellen in der Rheinebene und in den Tongruben des Westerwaldes vor.

Ausgehend vom gemeinsamen Wunsch, die Westerwälder Bestände des vom Aussterben bedrohten Kletterfroschs zu erhalten und wenn möglich zu vermehren, fand sich die obige Gemeinschaft auf freiwilliger Basis unter der Federführung der SGD Nord, Koblenz zusammen.

Der Tonbergbau unter Führung des Bundesverbandes Keramische Rohstoffe und Industrieminerale (BKRI) legte seither Dutzende von kleinen und größeren „Laubfroschteichen" entsprechend den Vorgaben des Artenschutzbeauftragten Elmar Schmidt an.
Flache und sonnige Uferzonen müssen die zukünftigen Laubfroschteiche haben. (Sehr wichtig: kein Fischbesatz - die Eier des Laubfroschs sind leichte Beute!) Bestandslisten des Jahres 2012 der Laubfrosch-Vorkommen in aktiven Tongruben des Westerwaldes zeigen eine stabile Aufwärtsentwicklung: in gut 20 Tontagebauen wurde der „Wetterfrosch" nachgewiesen!

Die Lebensräume in den Tongruben dienen nicht nur dem direkten Erhalt und der Vermehrung der Art an ihren jetzigen Standorten, sondern geben dem Frosch die Möglichkeit sich wieder auszubreiten und andere Flächen, in denen er ausgestorben ist, wieder zu besiedeln.

Dieses gemeinsame Artenschutzprojekt ist ein Vorbild für weitere Umweltarbeit. Die Besonderheit: alles geschieht freiwillig!

 

Tontagebaue: Neue Heimat für Pioniere der Fauna und Flora

Für die meisten Einwohner unserer Region, die ausnahmslos Verbraucher und Nutzer von Produkten aus mineralischen Rohstoffen sind, ist ein Tagebau lebloses Land. Sicherlich wird die Landoberfläche eines Abbaufeldes bei der Rohstoffgewinnung samt den hier vorhandenen Lebensräumen beseitigt. Fast ausschließlich handelt es sich hierbei um Lebensräume unserer Kulturlandschaft, im Verlaufe von Jahrhunderten durch die Tätigkeit des Menschen beeinflusst sowie stark verändert. Verloren gegangen sind bei der Gestaltung der Kulturlandschaft die meisten der „nutzlosen“ Landschaftsteile - Flächen, die nur der Natur zur Verfügung standen. Besonders die Pionierflächen für die Neubesiedlung durch spezielle Arten der Fauna und Flora gingen verloren. Mit diesen Lebensräumen verschwanden auch die Arten.

Ton- und Kaolintagebaue, wie alle Betriebsstätten zur Gewinnung mineralischer Rohstoffe, sind in unserer Kulturlandschaft Rückzugsgebiete für viele Arten, die auf den „Roten Listen“ verzeichnet sind. Die Abbautätigkeit stellt ihnen immer wieder Rohböden - Pionierflächen - bereit, die von den Pionier-Pflanzen- und -Tiergesellschaften besiedelt werden. Besonders zu erwähnen ist hier das dauernde Angebot unterschiedlich großer Wasserflächen. Sie reichen vom Tümpel, der nur temporär wasserführend ist, bis zu den großen, ganzjährig wasserführenden Absetzteichen.

Viele Arte leben hier: wer kennt den seltenen Regenpfeifer - er nistet auf Tonflächen; wer sah zuletzt den großblütigen Fingerhut; wann wurde der letzte Neuntöter gesichtet; wer weiß, dass im Tagebau bis zu 19 Libellenarten leben? Haben Sie schon mal einen Hirschkäfer gesehen?

Diese Käferriesen werden in der Rekultivierung eines Tagebaus gesichtet. Frösche, Molche, Salamander, Unken (u.a. die geschützte Gelbbauchunke), aber auch Rohrkolben, Blut-Weiderich, Natternkopf, Froschlöffel und viele weitere Arten mehr können genannt werden. Sie zählen alle zum Lebensraum Tontagebau. Aus ersten, seltenen „Besuchern“ oder auch „Kundschaftern“ der Arten im Tagebau werden häufig „Gäste“, denen der Lebensraum so gut gefällt, dass sie zu „Siedlern“ werden. Zu den bekannten Siedlern im Tagebau zählt auch ein Frosch, den jeder kennt, den aber kaum jemand zu Gesicht bekommen hat: der einzige Baumfrosch unserer Regionen, der Laubfrosch.

Viele Laubfrösche haben die Kultivierung unserer Landschaft bekanntermaßen nicht überlebt. Allenthalben wurden ihre Lebensräume zerstört und in Nutzflächen umgewandelt. Die einzigen Baumfrösche Deutschlands brauchen spezielle Biotope zum überleben. Flache Stillgewässer mit Sonneneinstrahlung – aber bitte ohne jeden Fischbesatz. Den Fischen schmecken die Froscheier zu gut; sie sind Fressfeinde des Laubfroschs.

Überlebt haben nennenswerte Bestände des Laubfroschs in Rheinland-Pfalz nur in Altarmen des Oberrheins und in den Tontagebauen des Westerwaldes. Im bekannten Artenschutzprojekt „Auenamphibien“, auch Schutzprojekt „Laubfrosch“ genannt, arbeitet die Westerwälder Tonindustrie, darunter Sibelco Deutschland, erfolgreich mit den Behörden zusammen, um dem Laubfrosch ein Überleben zu ermöglichen und seine Ausbreitung zu unterstützen. Die Zusammenarbeit findet auf freiwilliger Basis statt und trägt zwischenzeitlich gute „Früchte“: Immer mehr laubfroschtypische Wasserflächen und Tümpel werden dem Baumfrosch bereitgestellt – so zuletzt auf dem Gebiet des rekultivierten Sibelco Deutschland Tagebaus Straubinger bei Moschheim.

Immer zahlreicher tritt der Laubfrosch auf, seine Population wächst stetig an und dies vor allem im Bereich der Tontagebaue!

Das Artenschutzprojekt, das seit Anfang der 90er Jahre existiert, hat zur Rettung des Laubfroschs in Rheinland-Pfalz ganz wesentlich beigetragen - ganz ohne staatliche Reglementierung. In vertrauensvoller Kooperation zwischen Sibelco Deutschland und den Behörden wird auch der seltene Lebensraum langfristig erhalten, der im Kaolintagebau Oedingen bei Oberwinter entstanden ist. Die Rohböden, die bei der Abbautätigkeit entstanden und immer noch entstehen, waren und sind der entscheidende Anziehungspunkt für eine Vielzahl seltener Tiere und Pflanzen. Es muss hervorgehoben werden: die seltenen Arten sind nach Beginn der Abbautätigkeit nach und nach in den aktiven Tagebau Oedingen eingewandert.

Mit dem Ziel, Artenschutz zu betreiben, aber gleichzeitig auch Rohstoffe im Tagebau gewinnen zu können, arbeitet Sibelco Deutschland eng mit der zuständigen Unteren Naturschutzbehörde zusammen. Im Gefolge dieser Zusammenarbeit erstellte Sibelco Deutschland die planerischen Voraussetzungen, um gemeinsam mit der Naturschutzbehörde den Tagebau Oedingen als Kernzone eines zukünftigen Naturschutzgebietes NSG „Kaolingrube Oedingen“ aus „der Taufe“ zu heben.